Ausbildung: So wird der Start erfolgreich – Teil 1

Kategorie: Ausbildung, Stories

An alle Azubis des Jahrgangs 2020: Herzlichen Glückwunsch zum Ausbildungsvertrag! Ihr habt eine super Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben gelegt. Viel Erfolg für die nächsten zwei oder drei Jahre. Ihr habt in spannenden Zeiten angefangen. In Rheinland-Pfalz gab es eine Einführung für die neuen Azubis. Der erste Schwerpunkt: Erfolgsstrategien.

„Erfolg ist nicht etwas, das einfach passiert – Erfolg wird erlernt. Erfolg wird trainiert.“ George Halas (Foto: picjumbo, CC0)

Karin Döring war viele Jahre lang Ausbildungsleiterin. Über 26 Jahre arbeitete sie in einem großen Chemiebetrieb in verschiedenen Personalabteilungen. Während der letzten 16 Jahre gestaltete sie die kaufmännische Ausbildung für mehrere hundert Auszubildende und dual Studierende.

Für die Azubis der rheinland-pfälzischen Ausbildungsbetriebe hat sie eine Weiterbildung gemacht, die ihnen dabei hilft, einen guten Ausbildungsstart hinzubekommen. Die Inhalte der Weiterbildung und den Input der Azubis lest ihr in diesem Blogartikel:

  • Erfolg in der Ausbildung: Risiken und Erwartungen an Azubis
  • Drei Lernstrategien für den Lernerfolg
  • Lerntypen & Lernwege
  • Erfolgsplanung

Im zweiten Teil erfahrt ihr:

  • Korrektes Verhalten im Betrieb
  • Respekt & Kommunikation
  • Ziele der Ausbildung

Der Erfolg liegt an euch

„Erfolg ist nicht etwas, das einfach passiert – Erfolg wird erlernt. Erfolg wird trainiert.“ George Halas

„Niemand klappt euren Kopf auf, und schüttet Wissen hinein. Dass es in euren Kopf kommt, ist eure Aufgabe,“ erklärt Karin. „Ihr werdet nur erfolgreich in eurer Ausbildung, wenn ihr jeden Tag etwas lernt.“

Ziele in der Ausbildung

Gute Noten – die wollen alle erreichen. Karins Frage: „Habt ihr Einfluss darauf?“ Antwort: Ja, sie sind das Ergebnis von Disziplin und Aufmerksamkeit in Schule & Betrieb. Noch mehr als in der Schule seid ihr selbst verantwortlich für euren Erfolg. Hilfreich ist der Rahmenlehrplan für die Berufssschule – dort kann jeder reinschauen und sehen, was in diesem Lehrjahr in der Schule dran ist. Grade in Corona-Zeiten mit Unterrichtsausfällen & Co habt ihr es damit selbst in der Hand zu kontrollieren, ob ihr das lernt, was ihr laut Rahmenlehrplan lernen müsst. Tipp: Lernt zusammen, unterstützt euch!

Und wie sieht es mit dem betrieblichen Teil aus? Dafür gibt es eine Ausbildungsordnung mit Ausbildungsrahmenplan, an die sich jeder Betrieb halten muss. Auch mit dieser könnt ihr checken, ob ihr die Inhalte auch wirklich alle kennen gelernt habt. Hier ist die für Industriekaufleute und hier für Chemikanten

Risiken & Ängste in der Ausbildung

Klar macht man sich Sorgen, wenn man noch nicht weiß, was auf einen zukommen. Oder etwas nicht glatt läuft. Das waren Beispiele für Sorgen der Azubis, die sie im Seminar aufzählten:

  • Leistungsdruck
  • Angst vor Fehlern
  • Unsicherheit, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein
  • Unfaire Behandlung, nicht akzeptiert werden, falsch (z.B. als arrogant) wahrgenommen werden
  • Merken, dass man die falsche Ausbildung gewählt hat

Karin sagt dazu: „Der erste Schritt ist immer, das Risiko oder die Sorge anzusprechen. Denn dann kann man eine Lösung finden.“ Holt auch vom Ausbilder Hilfe und lasst euch den Punkt nochmal erklären. Und wenn auch das nicht klappt, überlegt warum. Am besten macht man sich bewusst, dass man eine Ausbildung macht, um etwas zu lernen.

Später müsst ihr diese oder jene Sache korrekt ausführen – daher hat jeder ein Interesse daran, dass ihr es richtig versteht. Man erwartet von Azubis, dass sie diese Lernbereitschaft mitbringen.

Von A – Z: Was würdet ihr von Azubis erwarten?

Es ist eine gute Idee, sich zu fragen: Wenn ihr Ausbildungsleiter wäret – was wären eure Erwartungen an Azubis? Das sind die Antworten der Azubis im Seminar:

  • Aufgeschlossen, Anpassungsfähigkeit, Ausdauer, Arbeitsbereitschaft, aktiv, Auffassungsgabe
  • Belastbarkeit, Bedacht, bewusstes Arbeiten
  • Charakterstark, Chancen wahrnehmen
  • Durchhaltevermögen, Disziplin, Durchsetzungsstärke
  • Ehrgeiz, Ehrlichkeit, Eigenständigkeit, Entscheidungsstärke, Effizienz, Engagement, Eigenmotivation
  • Fleiß, Freundlichkeit, Flexibilität
  • Geduld, Genauigkeit, Gute Laune 😊
  • Hilfsbereitschaft, Handlungskompetenz, Höflichkeit
  • Initiative, Interesse
  • Konzentrationsfähigkeit, Kommunikationsstärke, Kritikfähigkeit, Korrekt sein 😉, Kreativität
  • Motivation, Mut
  • Neugier, Neutralität
  • Objektivität, Organisationsfähigkeit, Ordnungssinn, Offenheit
  • Professionalität, Positivität, Pünktlichkeit, Produktivität
  • Qualitätsbewusstsein, qualifiziert
  • Respekt, reif
  • Stärke, Stressresistenz, sachlich, Sorgfalt
  • Teamgeist, Toleranz, Talent,
  • Unnachgiebigkeit, Umsicht
  • Vertrauenswürdig, Verantwortungsbewusstsein, Verständnis, Verlässlichkeit, Vorbild sein
  • Willensbereitschaft, Wissbegierde
  • Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit,

Das, was ihr von anderen erwartet, erwarten auch andere von euch. Das Fachliche wird vorausgesetzt und ist selbstverständlich. Hinzukommen eben diese Eigenschaften, die in der Liste aufgezählt sind. Ihr bringt sicher schon viele Befähigungen mit, die euch bei der Ausbildung helfen werden. Macht euch bewusst, was ihr schon könnt!

Drei Strategien für den Lernerfolg

Eine der Erwartungen an Azubis: Lernbereitschaft. Das ist eine wichtige Eigenschaft. Dazu gehört, dass man sich auch durch die Themen durchbeißt, die einen nicht interessieren. Karin meint:

„Gute Leute bleiben immer dran. Es ist wie beim Sport: Hört man auch zu trainieren, wird man schwächer und langsamer. Das Gleiche gilt für das Lernen in der Ausbildung.“

  1. Strategie: Lernt von Anfang an und bleibt dran – wie beim Sporttraining.
  2. Strategie: In der Berufsschule lernt man Dinge, die man direkt im Betrieb brauchen kann. Der Praxisbezug ist stärker, als in der Schule. Das macht es einfacher zu lernen.
  3. Strategie: Wahrscheinlich funktioniert es nicht mehr, den Lernstoff ins Kurzzeitgedächtnis reinzuquetschen. Ihr seid ja auch noch im Betrieb und lernt das Praktische. Bulimie-lernen funktioniert vielleicht für die Prüfung. Aber dann landet das Wissen nicht im Langzeitgedächtnis. Und ihr braucht es dauerhaft in der Ausbildung!

Lerntypen & Lernwege

Es gibt verschiedene Lerntypen. Karin machte mit den Azubis einen kurzen Test, damit sie herausfanden, welcher Lerntyp sie sind. Einige lernen gut, wenn sie Inhalte hören, andere, wenn sie sie aufschreiben.

Aber es gibt einen Trick, mit dem alle gut lernen: Nutzt alle Sinne! Schreiben, sprechen, hören und „mit den Händen arbeitend“, also „motorisch“. Hier ist übrigens ein Tutorial, wie man typische Lernfehler vermeidet. Und hier sind Lerntipps vom Experten.

Hier sind die Lernstrategien der Azubis aus dem Seminar. Vielleicht ist etwas für euch dabei:

  • Zusammen mit einem Azubi/Freund lernen
  • Herausfinden, welcher Lerntyp mal ist. Wenn man z.B. durchs Hören gut lernen kann (Songtexte merkt ihr euch sofort?), dann sprecht euch den Stoff ins Smartphone ein und hört euch selbst zu.
  • Mindmaps machen, wenn z.B. viel Text lesen muss. Das Gehirn merkt sich Bilder besser. Außerdem hat man dann den Inhalt schon kognitiv verarbeitet, auch weil die rechte Gehirnhälfte durch die Kreativität beim Schreiben des Mindmaps aktiv ist.
  • Den Stoff anderen erklären, z.B. Azubi-Kollegen.

Zum Erfolg gehört Planung

Wir haben es schon geschrieben: eine Strategie für den Lernerfolg ist es, dran zu bleiben. Lernt von Anfang an – wie beim Sporttraining. Hilfreich ist es, sich die Lerneinheiten aufzuteilen und im Kalender Zeit zu reservieren.

Wie macht man das am besten? Durch eine Land-, Mittel- und Kurz-Fristplanung.

Tragt euch für die Langfristplanung alle beruflichen und privaten Termine der nächsten Monate ein, die ihr heute schon kennt:

  • Ende der Probezeit,
  • Berufsschulblöcke,
  • Prüfungen,
  • Geburtstage,
  • Urlaube,
  • Wiederkehrende Abgabetermine für den Ausbildungsnachweis,
  • usw.

Danach macht ihr euch eine Mittelfristplanung für den nächsten Monat, in dem ihr die Termine aus der Langfristplanung übertragt und auch neu hinzu gekommene Dinge stehen wie:

  • Sport,
  • Treffen,
  • usw.

Dann folgt die Kurzfristplanung im Wochenplan, in dem ihr feste Lernzeiten einplant:

  • Lernen für Fach X
  • Lernen für Prüfung Y
  • Und: Freizeit. Richtig: Plant euch freie Zeit ein! Jeder braucht Erholung zwischendurch.

Je eher ihr in eine Routine aus Entspannung und konzentriertem Lernen kommt, umso besser! Lernt nur maximal 20 Minuten am Stück. Dann folgen 5-10 Minuten echte Pause, am besten mit Bewegung (für den Snack zwischendurch). So könnt ihr ohne Qual stundenlang durcharbeiten.

Zum Schluss noch ein Tipp: Teilt den Stoff in Lerneinheiten ein. Macht eine Liste mit den ToDos – und wenn ihr fertig seid, gönnt euch die Freude, den Punkt abzuhalten!

Zauberwort: rhythmisiertes Lernen

„Große Erfolge erreicht ihr durch kleine Schritte.“ Karin Döring

Wenn ihr dranbleibt und mit kleinen Einheiten lernt, seid ihr dann, wenn es auf die Prüfungen zu geht, schon super im Training. So lernt ihr mit weniger Stress.

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