Faktencheck: Was lohnt sich mehr, Ausbildung oder Studium?

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Der Run auf die Hochschulen ist ungebrochen. Viele erhofften sich von einem Studium bessere Karriereperspektiven und ein höheres Einkommen. Doch was ist dran an diesen Vorstellungen? Die IHK Koblenz checkt die Fakten.

Es gibt so viele verschiedene Wege in den Beruf (Foto: Flazingo Photos, flickr, CC BY-SA 2.0, bearbeitet).

Es gibt so viele verschiedene Wege in den Beruf (Foto: Flazingo Photos, flickr, CC BY-SA 2.0, bearbeitet).

Manchmal stößt man eher zufällig auf superinteressante Artikel. Das ist diese Woche passiert, als mir das Magazin der IHK Koblenz in die Hände fiel. Die beiden Autoren des Artikels, Dr. Holger Bentz und Kristina Danneberg, erklären sich den Run auf das Studium mit einem Gesellschaftsbild, das das Abitur als „Mindestabschluss“ einer schulischen Qualifikation ansieht.

 

"Bei Jugendlichen entsteht der Trugschluss, dass nur das Abitur optimal auf eine erfolgreiche Berufstätigkeit vorbereitet."

 

"Daraus resultiert bei Jugendlichen der Trugschluss, dass nur das Abitur optimal auf eine erfolgreiche Berufstätigkeit vorbereitet", erklären sie. Und "logischerweise" folgt auf das Abitur ein Studium. Und so entscheiden sich viele gegen eine Ausbildung. Selbst wenn die berufliche Bildung für sie die bessere Wahl wäre, weil sie zum Beispiel lieber praktisch als wissenschaftlich arbeiten. Oder weil sie sehr gut im Anpacken sind, aber nur ungern leere Blätter mit Text für die nächste Hausarbeit füllen.

Warum wollen alle an die Hochschule?

Die IHK-Autoren greifen die drei wichtigsten Gründe (oder Vorurteile?) für ein Studium auf:

  1. Akademiker verdienen mehr als Nicht-Akademiker.
  2. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist geringer.
  3. Die Akademikerschicht hat die „besseren Jobs“.

Doch stimmt das? Die IHK schaut sich die Fakten an. Sie rechneten die Einkommensentwicklung eines Nicht-Akademikers (Industriemechanik) und Akademikers (Bauingenieur) nach. Und sie ziehen die offiziellen Statistiken heran, um zu zeigen, wie hoch das Risiko, arbeitslos zu werden oder in einem unpassenden Job zu landen, wirklich ist.

1. Berufliche Bildung lohnt sich

Viele unterschätzen den Vorsprung, den sich Ausgebildete durch ihren frühen Einstieg in den Job erarbeiten. Das Rechenbeispiel der IHK zeigt: Jemand, der sich für eine betriebliche Aus- und Weiterbildung entschieden hat, hat bereits über 300.000 Euro verdient - gegenüber einem Studenten, der nach sechseinhalb Jahren seinen Master hat und dann vielleicht sogar noch BAföG oder ein Studienkredit abbezahlen muss.

2. Und was ist mit dem Risiko, arbeitslos zu werden?

In den klassischen MINT-Berufen sind die Chancen für Facharbeiter sehr gut:

  • 2020, als schon in drei Jahren, werden der deutschen Wirtschaft rund 1,3 Millionen Facharbeiter im MINT-Bereich fehlen.
  • Auch bei Akademikern wird es einen Engpass geben; er wird auf 67.000 Stellen geschätzt.

Das heißt aber im Klartext: Als MINT-Facharbeiter hat man auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen, als ein MINT-Akademiker. Die Zahlen hat das IW Köln ermittelt.

Schon heute ist es so, dass eine duale Ausbildung mit Aufstiegsfortbildung (Techniker, Meister) besser vor Arbeitslosigkeit schützt, als ein Studium (laut IAB):

  • Arbeitslosenquote bei Akademikern: 2,6%
  • Bei qualifizierten Fachkräften: 2,0%

3. Und wer hat jetzt den besseren Job?

Hier geht es darum, später in einem Job zu arbeiten, der der eigenen Qualifikation entspricht. Man nennt dies "Ausbildungsadäquanz". Und diese ist, entgegen dem Vorurteil, bei berufliche Gebildeten besser, als bei Akademikern. Das bedeutet, dass man mit einer Ausbildung eher in einem Job landet, der den eigenen Qualifikationen entspricht. Eine Statistik der Universität Oldenburg zeigte, dass 30% der Bacherlorabsolventen 2012 nicht "adäquat beschäftigt" waren. Und Stichwort befristete Stelle: Nur 6,3% der Ausgebildeten hatte 2012 eine befristete Stelle; bei den Akademiker waren es 11%.

Fazit: Chancen der berufliche Bildung werden unterschätzt

Das Fazit der IHK Koblenz: Die Chance ist geringer, nach einem Studium eine angemessene Beschäftigung in einer unbefristeten Anstellung zu finden - als mit einer Ausbildung und darauf folgendem Meister- oder Technikerabschluss. 

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