Als Azubi verschuldet

Kategorie: Stories

Viele Jugendliche erhalten in der Ausbildung ihr erstes eigenes Einkommen und müssen lernen, verantwortungsvoll mit dem Geld umzugehen. Hier lest ihr, worauf ihr achten müsst – und wer euch hilft, wenn ihr Schulden habt.

Es gibt viele Anzeichen, an denen ihr erkennen könnt, dass ihr Schwierigkeiten mit den Finanzen habt (Foto: Steve Halama, Stocksnap, CC0).

Es gibt viele Anzeichen, an denen ihr erkennen könnt, dass ihr Schwierigkeiten mit den Finanzen habt (Foto: Steve Halama, Stocksnap, CC0).

Anna hatte 8.000 Euro Schulden. Als unerwartet ein enger Verwandter starb, machte das die 21-Jährige so fertig, dass sie sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren konnte und kündigte. So konnte sie weder das restliche Geld für ihre private Ausbildungsschule* noch ihren Handyvertrag bezahlen. Um Geld zu sparen, fuhr sie schwarz, wurde aber erwischt. Im Internet kaufte sie immer mehr Sachen auf Raten. Erst als Anna einen Vollstreckungsbescheid erhielt, wusste sie, dass sie Hilfe braucht.

Woran ihr ein Schuldenproblem bemerkt

Es gibt viele Anzeichen, an denen ihr erkennen könnt, dass ihr Schwierigkeiten mit den Finanzen habt: 

  • Ihr gebt jeden Monat euer komplettes Gehalt aus und könnt nichts sparen.
  • Ihr habt zwar keine Kredite oder Ratenzahlungen, seid aber bei Familie, Freunden oder Kollegen in den Miesen und schiebt eure Schulden zwischen den Leuten hin und her.
  • Ihr verplant Geldgeschenke, Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld lange im Voraus.
  • Ihr zahlt häufig mit Kreditkarte, weil die Abbuchung erst später erfolgt.
  • Euer Konto ist überzogen ist und der Betrag wird nicht kleiner, sondern steigt jeden Monat.
  • Ihr schiebt die Bezahlung von Rechnungen in den nächsten Monat.
  • Ihr habt Rechnungen mit Mahngebühren.
  • Ihr holt eure Kontoauszüge nicht mehr, weil ihr immer wieder vom Kontostand überrascht oder entsetzt seid.

Treffen mehrere dieser Punkte auf euch zu, solltet ihr euch Hilfe suchen. So wie Anna, die zu einer kostenlosen Schuldnerberatung gegangen ist. Die Berater solcher öffentlichen Stellen (hier findet ihr eine Datenbank mit Adressen) sind Profis und haben täglich mit verschuldeten Menschen zu tun. Sie beurteilen euch und eure Situation nicht. Sie sagen: Es kann jedem passieren, dass er Schulden macht. Und: Wegen Schulden kommt man nicht ins Gefängnis!

Wie ihr Schulden vorbeugen und abbauen könnt

Am wichtigsten ist, eure Einnahmen und Ausgaben aufzulisten. Wenn ihr das nicht per Hand machen wollt, gibt es eine kostenlose Haushalts-App vom Verbraucherservice Bayern. In solchen Listen seht ihr, wo ihr Geld sparen könnt. Wenn euch zum Beispiel die Wohnungsmiete ins Minus drückt, überlegt, ob ihr in eine WG umzieht. Bei der Suche nach günstigen Wohnungen können auch eure Firmen helfen. Jugendliche sollten außerdem dem Wunsch widerstehen, immer das neueste Handy oder coole Markenprodukte zu kaufen, sagen die Schuldenberater. Kauft nur Sachen, die ihr euch leisten könnt.

Um die Schulden an eure Gläubiger zurückzuzahlen, solltet ihr eine Liste mit deren Namen anfertigen. Mit dieser Liste und Dokumenten wie Verträgen, Rechnungen, Mahnungen usw. könnt ihr zur Schuldnerberatung oder zum Sozialarbeiter eurer Berufsschule gehen. Sie unterstützen euch dabei, eine Rückzahlung der Schulden zu vereinbaren. Und auch eure Eltern können euch helfen. Anna überweist inzwischen jeden Monat 100 Euro ihres Gehaltes an die Schule und kommt so langsam raus aus den Schulden.

*Wer eine klassische duale Ausbildung macht, braucht keine Gebühren wie Anna bezahlen. Der Ausbildungsbetrieb kommt dafür auf - und bezahlt dem Azubi dazu noch eine Ausbildungsvergütung.

Kommentare
  • Rico
    19. Oktober 2018 um 09:09 Uhr
    Toller Artikel mit richtig guten Tipps und Hinweisen. Das kann vielleicht einigen eine Hilfe sein, um endlich auch selbst zu erkennen, dass sich in diesem Bereich grundsätzlich etwas ändern muss (https://www.finanznachrichten.de/)
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