Silvester: Raketenwissenschaft für Umwelt und Gesundheit

Kategorie: Stories

Dass wir das neue Jahr mit Feuerwerk und Böllern begrüßen, ist nichts Neues. Doch die Technik von uralten Traditionen wird weiterentwickelt: was die Wissenschaft macht, um Raketen umweltfreundlicher zu machen.

Leuchtende Farben am Himmel erfreuen viele von uns - das Silvester-Spektalker hat aber Nebenwirkungen. (Foto: Geralt, pixabay, CC0)

Leuchtende Farben am Himmel erfreuen viele von uns - das Silvester-Spektakel hat aber Nebenwirkungen. (Foto: Geralt, pixabay, CC0)

Leider hat das bunte Feuerwerk am Himmel zu Silvester und anderen Feierlichkeiten Nebeneffekte: sie belasten die Umwelt. Der Rauch der Raketen verursacht CO2. Und nach der farbenfrohen Explosion am Himmel bleiben nicht nur Müll und Papier in den Straßen, sondern auch Schwermetalle zurück.

Deshalb haben sich Forscher und Industrie daran gemacht, umweltfreundlichere Raketen und Böller auf den Markt zu bringen. Hier einige Beispiele:

Rauchfreie Raketen

In den USA haben Wissenschaftler Raketen mit Schießbaumwolle gebaut. Die verbrennt direkt, produziert dabei aber keinen Rauch. Zudem sollen die Feuerwerkskörper nur ein Zehntel der Schwermetalle brauchen, die in herkömmlichen Raketen enthalten sind.

Bor-Brennstoff

Auch die Uni München hat mit US-Forschern daran getüftelt, Raketen umweltfreundlicher zu machen: das Schwermetall Bariumchlorid wird durch das Element Bor ersetzt, das als unbedenklich gilt. Dort sorgt Bor in Kombination mit Karbid, einer negativ geladenen Form des Kohlenstoffs, für die grüne Farbe im Feuerwerk. Mehr dazu könnt ihr beim DLF und beim SRF lesen.

Blaue Beleuchtung

Blaue Raketen haben die Münchener Wissenschaftler besonders in den Fokus genommen: Traditionell wurde die Farbe mit Kupfer in Verbindung mit einer Chlor-Quelle erreicht. Die Stoffe reagieren dann zu Kupfer(I)-chlorid. Das Problem: Die Chlor-Chemikalien sind krebserregend und giftig. Die Forscher haben aber einen Weg gefunden, um das Chlor zu eliminieren: Ihre Mischung für blaue Raketen basiert auf Kupfer(I)-iodid.

Der große Knall blieb bisher aus

Richtige Knaller waren diese ganzen Innovationen aber (noch) nicht. Bisher sind die Alternativen wesentlich teurer als die "normalen Raketen" und gar nicht im Supermarkt zu kaufen.

An Silvester geht es aber nicht nur um die Preisfrage, wie die Geschichte eines anderen Produkts zeigt: Das Unternehmen Keller hatte bereits in den 90ern einen Öko-Chinaböller herausgebracht: „100 Prozent weniger Staub, 90 Prozent weniger Emissionen, 70 Prozent weniger Gewicht und 50 Prozent weniger Papier“ – so der Werbeslogan.

Die Produktion wurde allerdings schnell eingestellt, der Böller gilt nun nur noch als Kult-Objekt bei Liebhabern. Die gängigen Rezensionen über das Ökoprodukt: Es hat einfach nicht gut genug geknallt.

Warum sich die Feuerwerks-Forschung lohnt

Das Thema Feinstaubbelastung ist in aller Munde. In der Silvesternacht entstehen laut Umweltbundesamt 5.000 Tonnen davon. Es sind die Raketen, die für den Luftverschmutzungs-Rekordtag des Jahres sorgen: Dann werden etwa 17 Prozent der Feinstaubmenge auf einmal in die Luft gepustet, die sonst im ganzen Jahr im Straßenverkehr zusammenkommt.

Was ist Feinstaub eigentlich? Staub ist ein Stoffgemisch aus festen und flüssigen Teilchen. Diese unerscheiden sich – je nachdem, wie sie entstanden sind – in ihrer chemischen Zusammensetzung, Größe, Form und in ihren Eigenschaften. Die Feinstaubpartikel werden entweder direkt in die Luft abgegeben oder entstehen durch chemische Reaktionen zwischen Gasen wie Schwefeldioxid, Ammoniak oder Stickstoffdioxid. Die Folgen können sehr unterschiedlich sein: Schleimhautreizungen, Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien oder Plaquebildung in den Blutgefäßen. Daher ist es wichtig, dass die Wissenschaft an der Verbesserung von Feinstaub-Quellen wie Feuerwerk arbeitet.

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