Ein Beruf, den keiner kennt: Gerber

Kategorie: Ausbildung, Fachkraft - Lederherstellung und Gerbereitechnik, Zschimmer & Schwarz

Was hat ein Fahrradsitz mit der Chemieindustrie gemeinsam? Zwei Dinge: erstens den Beruf des Gerbers. Und zweitens die Hilfsstoffe, die man zur Herstellung von Leder braucht. Fast jeder von uns besitzt Lederartikel: Taschen, Gürtel, Schuhe, Jacken. Wie aber werden diese hergestellt?

Beruf Gerber: Das Bild zeigt einen Sattel mit gegerbten Leder.

Es sind viele Arbeitsschritte notwendig, bis man hochwertiges Leder mit Eigenschaften (weich, reißfest, wasserabweisend...) erhält. (Foto: Kaboompics)

Diese Aufgabe übernehmen Gerber und Gerberinnen, die Häute mit verschiedenen Gerbverfahren zu schmucken Lederwaren verarbeiten. Aber nicht nur die Optik zählt. Denn Autopolster müssen andere Eigenschaften haben, als der Outdoor-Schuh. Auch daran arbeiten Gerber.

Seit Jahrtausenden werden rohe Häute zu Leder verarbeitet. Gerber bearbeiten Häute zu Leder, wie es hauptsächlich für die Schuh- und Bekleidungsindustrie benötigt wird, aber auch für Sättel, Taschen oder Polstermöbel.

Aufgaben von Gerbern

Dazu weichen sie Rohhäute in Wasser ein und reinigen sie mit Hilfsstoffen, Werkzeugen und speziellen Maschinen. Danach gerben sie die Haut in rotierenden Fässern und Gerbmaschinen zu Leder. Hierfür wenden sie verschiedene Verfahren an: die pflanzliche und synthetische Gerbung, die Mineralgerbung oder Kombinationsverfahren. Anschließend färben sie das Leder in Färbemaschinen und veredeln es durch Schleifen, Bügeln, Prägen oder das Auftragen von Farbschichten.

Auch in der Entwicklung braucht man Gerber

Gerber arbeiten nicht nur in der Lederherstellung. Man braucht sie für die Herstellung von Lederhilfsmittel. Diese Hilfsmittel machen Leder zum Beispiel geschmeidig, reißfest oder wasserabweisend oder sorgen dafür, dass das Leder die Farbe annimmt. Man forscht auch an Lederhilfsmitteln aus umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoffen. Oder an Hilfsmitteln, die flammhemmend sind (also das Leder gegen Feuer „ausrüsten“). Um diese Hilfsmittel herzustellen, braucht man Gerber – denn die kennen sich mit Leder aus.

Eine Gerberin erzählt

Jacqueline hat im 2014 ihre Ausbildung als Gerberin bei Zschimmer & Schwarz abgeschlossen. Sie wurde in der Anwendungstechnik Leder unbefristet übernommen. Im Moment arbeitet sie an einer Ausarbeitung für einen Kunden, der den Gerbungsprozess verbessern will - es geht um weniger Wasser- und Chemikalienverbrauch.

Der Chemie-Azubi hat Jacqueline ein paar Fragen gestellt. Wie ist sie Gerberin geworden?

"Bei mir war es Zufall: Bei einem gemütlichen Grillabend mit den Nachbarn haben wir uns über meine Zukunft unterhalten und über die Bewerbungen, die ich an verschiedene Firmen geschickt habe. Hauptsächlich habe ich mich für kaufmännische Ausbildungsplätze beworben.

Meine Schwester hat gelacht und gesagt, dass ich kein Mensch sei, der den ganzen Tag Büroarbeiten macht. Durch das Gespräch fiel meinem Nachbarn, der bei Zschimmer & Schwarz arbeitet, ein, dass hier eine Ausbildungsstelle als Gerberin frei ist.

Da ich mir unter dem Beruf selbst nichts vorstellen konnte, habe ich ein wenig im Internet recherchiert und mich dann beworben. Nach einem Probetag und einem 3-tägigen Praktikum war für mich klar: Das ist es, was ich machen möchte!"

Was sollte man Ihrer Meinung nach können, wenn man Gerber werden möchte?

"Es geht um eine präzise Arbeitsweise, man sollte flexibel und kreativ sein, selbstständig arbeiten können und ein gutes technisches Verständnis und mathematische Fähigkeiten mitbringen. Als Gerber muss man aber auch einen zuvorkommenden Umgang mit Menschen pflegen, denn in diesem Beruf hat man oft mit Menschen aus anderen Kulturen zu tun."

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Unternehmensprofil

Zschimmer & Schwarz ist in Familienbesitz und hat seinen Hauptsitz in Lahnstein. Das Unternehmen ist ein Lieferant von chemischen Hilfsmitteln und Spezialitäten für die Kosmetik- und Reinigungsmittel-, Leder-, Keramik-, Textil- und Faserindustrie sowie von Phosphonaten.

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Clemens Wilhelm
Clemens Wilhelm
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