Geschichte der Chemie 1: Alles nur Teufelswerk?

Kategorie: Stories

Lust auf eine Zeitreise? Das trifft sich gut – denn wir möchten euch in den nächsten Wochen einige Meilensteine aus der Geschichte der Chemie vorstellen. Los geht es unter anderem mit den alten Ägyptern und vermeintlichem Hokuspokus im Mittelalter.

„Die Weltgeschichte sammelt auf unsere Kosten sehr große Schätze“, sagte einmal Johann Wolfgang von Goethe. (Foto: angelorosa, pixabay, CC0)

„Die Weltgeschichte sammelt auf unsere Kosten sehr große Schätze,“ sagte einmal Johann Wolfgang von Goethe. (Foto: angelorosa, pixabay, CC0)

Unsere heutige Geschichte beginnt recht früh: in der Steinzeit. Da lernten unsere Vorfahren, das Feuer zu beherrschen – einer der wichtigsten Schritte unseres Menschwerdens. Mit dem Feuer setzten die Höhlenbewohner das erste Mal eine Reihe von komplexen chemischen Reaktionen in Gang, die bis heute überall auf der Welt durchgeführt werden.

Das Erzeugen einer Naturgewalt: Feuer

Die Steinzeit-Menschen kannten das Feuer bereits als Naturgewalt – beispielsweise durch Blitzeinschläge, die zu Bränden führten. Wahrscheinlich versuchten sie dann, einen Teil der Flammen durch Lagerfeuer aufrecht zu erhalten. Später entdeckten sie, dass sich Feuer durch Reibung erzeugen lässt – eine herausragende Sache. Nun konnte nicht nur getöpfert, sondern auch gekocht werden.

Damit kam einiges mehr auf den Speiseplan unserer Vorfahren: Allein das Erhitzen von Nahrung machte viele Dinge erst genießbar. Außerdem war das Futter besser zu verdauen: Magen und Darm hatten weniger zu tun, die Aufnahme von Energie wurde erleichtert. So bekamen auch die Hirne mehr Zunder. Es dauerte trotzdem noch eine ganze Weile, bis ein Verständnis von chemischen Abläufen zustande kam.

Eine ziemlich wichtige Entdeckung war die Metallurgie, also die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen. Es ist nicht so richtig klar, wann wer damit angefangen hat. Europa hat die Erkenntnis wohl Bergvölkern aus Kleinasien zu verdanken.

Dort wurde bereits um 6000 vor Christus Gold und Kupfer verarbeitet. Die Menschen brachten ihre Erkenntnisse dann nach Mesopotamien (dort, wo heute der Irak ist). Von dort breitete sich das Wissen nach Ägypten und Europa aus.

Rezepte aus Mesopotamien

Mesopotamien war in so mancher Hinsicht Vorreiter. Von dort stammen beispielsweise die ersten chemischen Texte. Medizinische Abhandlungen, in denen ab und zu chemische Stoffe vorkommen, gab es um 2100 vor Christus. Einige Hundert Jahre später hat man in Mesopotamien dann Parfümrezepte aufgeschrieben.

Sie zeigen auch, dass in der Region bereits die Extraktion bekannt war: Die Menschen lösten Duftstoffe aus Pflanzen heraus, indem sie diese mit Wasser erwärmten. Das wurde später mit Öl erhitzt, sodass die Pflanzenaromen darin übergehen konnten.

Etwa 1000 vor Christus wurde entdeckt, dass sich Eisenerze mittels Feuer zu dem harten Metall reduzieren lassen. Das brachte Völkern wie Mesopotamiern und Ägyptern zunächst große Vorteile vor allem auf ihren militärischen Feldzügen.

Die Wurzeln der Naturwissenschaft

Bald darauf entwickelten sich die Wurzeln unserer Naturwissenschaft – in Europa, genauer gesagt im alten Griechenland. Die Griechen hatten gute Handelskontakte nach Mesopotamien und Ägypten. Auf diese Weise gelangten nicht nur materielle Güter, sondern auch Gedanken über das Mittelmeer.

Das Neue bei den Griechen: Sie versuchten erstmals, Vorgänge rational zu erklären. Zuvor war es üblich gewesen, die Welt mithilfe der Mythologie zu deuten – dass also hinter allem die Handlung eines Gottes stehe. Die Griechen begründeten mit ihren ersten Theorien nun die sogenannte Naturphilosophie.

Teufelswerk?

Allerdings wurden die Errungenschaften der Chemie nicht per se gefeiert: Mancherorts wurde die Disziplin von den Menschen verteufelt – als unnatürliche Vorgänge, die so nicht von Gott gewollt sein könnten. So beispielsweise beschrieb Tertullian, ein bedeutender Kirchenschriftsteller, das Färben von Wolle im 3. Jahrhundert nach Christus.

Ein Zweig der frühen Chemie, der zeitweise als Teufelswerk galt, war die Alchemie. Sie ist quasi ein Sonderfall, da sie sowohl auf materiellen als auch spirituellen Aspekten beruht.

Diese Art der Lehre – wobei es strittig ist, ob man sie nun als Wissenschaft bezeichnen kann oder nicht – entstand kurz nach Christus als griechische Alchemie. Danach folgten die arabische und die lateinische Alchemie, Letztere ist bereits in der Zeit des Mittelalters angesiedelt.

Alles Hokuspokus?

Die meisten Vorstellungen, die wir von der Alchemie haben, haben deshalb auch mit mittelalterlichen Kellergewölben zu tun: Wir denken an Verrückte, die versuchen, ein Verfahren zur Goldherstellung zu entwickeln – oder die daran glauben, sie könnten den Stein der Weisen finden. Teilweise wurde die Alchemie von der Kirche verboten – dabei wurde sogar in Klöstern experimentiert.

Dass die Alchemie so in Verruf geraten ist, ist nicht ganz fair. Denn tatsächlich hat sie durchaus bedeutende Erkenntnisse vorgebracht – und sie wurde nicht nur von Scharlatanen, sondern auch von angesehenen Wissenschaftlern betrieben. So interessierte sich sogar Sir Isaac Newton für den Stein der Weisen.

Der Alchemie verdanken wir unter anderem die Entdeckung des weißen Phosphors. Die machte der Hamburger Alchemist Hennig Brand. Oder die Entdeckung des Hartporzellans auch in Europa – Porzellan war nämlich zuvor ein Geheimnis der Chinesen gewesen. Es wurde dann von Johann Friedrich Böttger, einem Apotheker aus Thüringen, für uns entdeckt. Der suchte im Auftrag des Königs nach einer Möglichkeit, Gold herzustellen – als „Abfallprodukt“ kam Porzellan dabei heraus.

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