Glücklich mit Chemie

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Ohne Interesse für das Fach ist die Wahl eines Chemie-Berufs unwahrscheinlich. Das Schülerlabor an der Hochschule Merseburg unter seiner Leiterin Dr. Almut Vogt weckt die Neugier auf Chemie schon bei den Jüngsten und fördert auch begabte Jugendliche.

Die promovierte Chemikerin ist die Leiterin des Schülerlabors Merseburg (Foto: Rempe).

Die promovierte Chemikerin ist die Leiterin des Schülerlabors Merseburg (Foto: Rempe).

Blick ins Schülerlabor Merseburg (Foto: Rempe).

Blick ins Schülerlabor Merseburg (Foto: Rempe).

Zu Almut Vogt fasst man schnell Vertrauen. Die promovierte Chemikerin strahlt Ruhe aus – und Freude an ihrem Beruf. Das passt, denn die Leiterin des Schülerlabors Merseburg steht schon ihr ganzes Berufsleben lang Tag um Tag vor vielen Menschen, sehr jungen vor allem, und gibt ihr reiches Wissen auf dem Feld der Chemie weiter. Kein Wunder, diese Arbeit ist ihr Berufung, macht sie glücklich.

Ein Jahr im Voraus ausgebucht

Das steckt wohl an: Seitdem die wissenschaftliche Mitarbeiterin 2001 die Projektleitung des wenige Jahre zuvor gegründeten und an der Hochschule Merseburg angesiedelten Schülerlabors „Chemie zum Anfassen“ übernommen hat, kommen immer mehr Interessenten: Waren es 2001 noch 800 Schüler im Jahr, sind es heute jährlich zehntausend Schüler! „Aktuell sind schon alle Termine für das Schuljahr 2017/18 ausgebucht“, berichtet Almut Vogt. Das ist der Anspruch, der die Mitarbeiter des Schülerlabors antreibt: Begeisterung für die Chemie zu wecken, einem Fach, dass in der Schule wegen ellenlanger Formeln und komplizierter Tafelbilder bei vielen jungen Leuten Verzweiflung hervorruft.  Wie lässt sich da Neugier erzeugen?

Praxis überzeugt

„Mit spannenden Vorlesungen, nachvollziehbaren Erklärungen und vor allem mit Experimenten“, erklärt Almut Vogt. Gerade das praktische Umgehen mit der Chemie wecke Interesse, lege Talente offen. „Oft sind Lehrer überrascht, wie sehr sich Schüler engagieren, von denen sie das überhaupt nicht erwartet hatten“, so Almut Vogt. Im normalen Chemieunterricht ließen sich solche Übungen oft nicht umsetzen: Generell fehlt es in den Schulen an Geld zum Einkauf von Chemikalien und Geräten, zudem schränken Sicherheitsbestimmungen und die großen Klassenstärken das Experimentieren ein.

Für Erstklässler und hochbegabte Jugendliche

Hier in Merseburg ist vieles möglich. Ein bis zwei Klassen sind jeden Tag vor Ort. Manche für zwei Stunden oder einen halben Tag, andere hingegen absolvieren gleich eine Woche lang ein Programm, das Almut Vogt für jede Klasse maßgeschneidert ausarbeitet. Vorträge von ihr, ihrem Kollegen Kurt Schwabe, altersgerechte Vorlesungen von Professoren der Hochschule wechseln sich ab mit praktischen Übungen und Experimenten in den hochmodernen Labors, betreut von einem kleinen, sehr engagierten, Laboranten-Team.


Jetzt, Ende Juni, sind etwa Gymnasiasten aus Heidelberg für eine Woche zu Gast. „Auf sie wartet zum krönenden Abschluss noch ein Blick in die industrielle Praxis, ein Besuch im Chemiepark Leuna, der mit dem Betreiber InfraLeuna organisiert wurde“, erzählt Almut Vogt. Erstklässler kommen mit ihren Lehrern ebenso wie Klassen, die gerade mit dem Chemieunterricht begonnen haben. Auch besonders Interessierte erfahren Unterstützung. Beispielsweise werden von hier aus regionale und bundesweite Wettbewerbe wie Chemkids (für die 4. bis 8. Klasse), Chemie – die stimmt! (für 8. bis 10. Klasse) oder die Internationale Chemie-Olympiade  betreut.

„Chemie zum Anfassen“ überzeugt

Lohnt sich all die Mühe? „Auf jeden Fall“, sagt Almut Vogt. Aktuell weiß sie von einem jungen Mann aus der Region zu berichten, der nach einem berufsorientierenden Praktikum hier in den Sommerferien für eine Woche wiederkommt und einen Chemieberuf lernen will. Und durch den engen Kontakt mit vielen Schulen erfährt sie häufig, dass Teilnehmer von Schülerlabor-Kursen den Weg in die Chemie gefunden haben. Manchmal trifft sie auch auf dem Campus der Hochschule Ingenieurstudenten, deren Begeisterung für Chemie im Schülerlabor seinen Anfang nahm.

Spenden halten Schülerlabor am Laufen

Das Schülerlabor ist ein sogenanntes Drittmittelprojekt; das heißt, es finanziert sich weitgehend aus Spenden von Unternehmen und Zuwendungen der öffentlichen Hand. Viele Branchenfirmen der Region wie etwa Dow, Total, DOMO, BASF Leuna und InfraLeuna ermöglichen den Betrieb des Schülerlabors ebenso wie das Landesschulamt Sachsen-Anhalts, die örtliche Sparkasse oder die Chemieverbände  Nordostchemie.

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