Duale Ausbildung in Mexiko nach deutschem Vorbild

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In den letzten Jahren werden in Mexiko immer mehr Azubis nach dem Vorbild des deutschen dualen Ausbildungsmodells ausgebildet. Warum? Es trägt dazu bei, dass die Arbeitslosigkeit unter mexikanischen Jugendlichen sinkt und auch der Fachkräftemangel in den Unternehmen weniger wird.

Die duale Ausbildung in Mexiko findet vor allem in technischen Berufen statt (Foto: Viktor Hanacek, Picjumbo CC0).

Die duale Ausbildung in Mexiko findet vor allem in technischen Berufen statt (Foto: Viktor Hanacek, Picjumbo CC0).

Im Normalfall bekommt ein Azubi in Mexiko nur eine schulische Ausbildung, die aus drei Semestern Grundausbildung und drei weiteren Semestern mit fachlicher Vertiefung besteht. Das letzte Semester besteht aus einem Betriebspraktikum, ist aber für einen echten Praxisbezug nicht ausreichend. Daher auch das Problem mit den qualifizierten Fachkräften.

Mithilfe der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer CAMEXA haben nun viele Unternehmen das mexikanische duale Modell eingeführt. Das beinhaltet, wie das deutsche Modell, auch eine Betriebsausbildung. Für uns normal, im Ausland quasi unbekannt.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur deutschen Ausbildung

Ähnlich wie in Deutschland findet die Ausbildung zum größten Teil im Betrieb statt und wird auch vergütet. Vorgeschriebene Rahmenpläne geben die Richtung an und wöchentliche Berichtshefte sind Pflicht. Die Azubis unterschreiben zu Beginn ihrer Ausbildung einen Vertrag, der von einer Kammer registriert wird. Am Ende legen die Azubis eine Prüfung ab und bekommen dadurch einen Abschluss, der beispielsweise auch für ein weiterführendes Studium qualifiziert.

CONALEP / Nationale Kolleg für technisch-berufliche Ausbildung

Während in Deutschland Schulabgänger selbst dafür sorgen müssen, dass sie einen Ausbildungsplatzfinden, gibt es in Mexiko ein System, das Azubis und Unternehmen zusammen bringt. Ca. 75 Prozent der mexikanischen Jugendlichen beginnen ihre Ausbildung im CONALEP (Colegio Nacionalde Educación Profesional Técnica / Nationale Kolleg für technisch-berufliche Ausbildung).

Im zweiten Semester ihrer Ausbildung haben sie dann die Möglichkeit, in das duale System zu wechseln. Über die Aufnahme entscheiden dann das CONALEP und die Unternehmen.  Merkmale wie Motivation, Grundeinstellung und Disziplin der Azubis spielen dabei eine große Rolle.

Vorteile für die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Deutschland und Mexiko

Aus der Einführung des dualen Systems in Mexiko ergeben sich einige Vorteile für die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Deutschland und Mexiko.

„Die duale Ausbildung hilft deutschen Unternehmen, ihren Bedarf an Fachkräften zu decken, gleichzeitig sinkt die hohe Personalrotation in Mexiko. Normalerweise bleiben Angestellte länger im Unternehmen, wenn sie dort vorher auch eine Ausbildung gemacht haben und bereits eine Loyalität zum Arbeitgeber aufgebaut haben,“ so erklärt Lukas Rottnick.

Er ist als sogenannter integrierter Experte des Centrums für internationale Migration und Entwicklung (CIM) und Berater für die berufliche Aus- und Weiterbildung an der AHK Mexiko eingesetzt. Er hat dem ChemieAzubi einen tieferen Einblick in das duale System in Mexiko gewährt.

Duale Ausbildung eröffnet Azubis Perspektiven

„Im deutschen Modell werden zurzeit rund 1.000 Azubis in drei Berufen (Werkzeugmacher, Mechatroniker, Industriemechaniker) ausgebildet", erklärt Rottnick. Im mexikanischen Model sind es pro Jahr etwa 1.000 Azubis in 12 Berufen. Doch das genügt für einige Unternehmen schon, um mit der dualen Ausbildung ihren Mangel an Fachkräften zu decken. Und die Azubis haben im Anschlussan ihre Ausbildung einen Job garantiert.

“Falls sich ein mexikanischer Azubi dazu entschließen sollte, in den deutschen Arbeitsmarkt zu wechseln, wäre das möglich. Beide Modelle, sowohl das deutsche als auch das mexikanische, können von der FOSA-Stelle (Foreign Skills Approval) der IHK Nürnberg zumindest teilweise anerkannt werden lassen."

Lukas Rottnick verrät uns auch, dass es bald sogar einen Ausbildungsgang für Chemikanten geben soll. Ein Kompliment an das deutsche Ausbildungsmodell, das einmal mehr seine Professionalität beweist, indem es selbst am anderen Ende der Welt gut zu funktionieren scheint! :)

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